Late Night

Kennt ihr Kinofans, die Emma Thompson nicht mögen? Ich auch nicht. In ihrem aktuellen Film »Late Night« zieht sie erneut alle Register ihres schauspielerischen Könnens. Doch das ist längst nicht alles, was die Komödie sehenswert macht.

TV-Talkerin Katherine Newbury (Emma Thompson) ist eine nationale Institution. © Amazon Content Services LLC / eOne Germany
Late Night (Film-Poster)
Late Night

Late Night, USA 2019, Regie: Nisha Ganatra, Drehbuch: Mindy Kaling, Kamera: Matthew Clark, Produktion: Jillian Apfelbaum, Ben Brown, Mindy Kaling, Howard Klein. Mit: Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow, Hugh Dancy, Reid Scott. Verleih: Entertainment One Germany, Länge: 100 Minuten.

Kennt ihr Kinofans, die Emma Thompson nicht mögen? Ich auch nicht. In ihrem aktuellen Film »Late Night« zieht sie erneut alle Register ihres schauspielerischen Könnens. Doch das ist längst nicht alles, was die Komödie sehenswert macht.

Die legendäre TV-Talkerin Katherine Newbury (Emma Thompson) ist eine nationale Institution – und der einzige weibliche Host im US-Fernsehen. Ihre Gags allerdings werden ausschließlich von Männern geschrieben. Die testosteronlastige Autorentruppe hat sich daran gewöhnt, dass sie ihren toughen Boss nie persönlich zu Gesicht bekommt. Unter der Führung des arroganten Chefautors Tom Campbell (Reid Scott) erledigen die Jungs zwischen Pizzakartons und Modelleisenbahn ihren Job, routiniert und gelangweilt. Das ändert sich, als die Senderchefin (sehr böse: Amy Ryan) Katherine nach dreißig Jahren absetzen will. Man wirft der intellektuellen Britin vor, Frauen zu hassen, elitär und abgehoben zu sein, kurz: »zu alt und zu weiß«.

Aus schierer Verzweiflung beschließt Katherine, ihre Autoren kennenzulernen. Zwar will sie keine Zeit damit vergeuden, sich ihre Namen zu merken, doch die stattdessen mit Ziffern Angesprochenen mobilisieren dennoch ihre letzten Komik-Reserven, um die Show zu erhalten. Echte Rettung naht indes erst in Gestalt der jungen Molly Patel (Mindy Kaling), einer absoluten Newcomerin im Fernsehgeschäft. Molly hat bisher in einem Chemiewerk gearbeitet. Als Neuzugang im Autorenteam scheint sie durch nichts qualifiziert als durch ihr Geschlecht und ihre dunkle Hautfarbe – genau das, was Katherine braucht, um sich vom Vorwurf der Frauenfeindlichkeit und des Rassismus reinzuwaschen. Dass Molly in ihrer unschuldigen Direktheit ein absolutes Naturtalent und viel zu klug ist, um bei dieser »Diversity«-Show unter die Räder zu kommen, merkt Katherine erst spät. Aber zum Glück nicht zu spät …

Mindy Kaling ist als Molly eine würdige Partnerin auf Augenhöhe mit Emma Thompson. Kein Wunder, kennt sie doch im Gegensatz zu ihrer Rolle das Business seit vielen Jahren von innen. Kaling hat das Drehbuch zu »Late Night« geschrieben und den Film mitproduziert. In bester Screwball-Manier lässt sie die Dialoge nur so sprühen, scharfzüngig, gescheit und einfach unglaublich komisch. Gender- und Quotenfragen werden dabei mit solcher Leichtigkeit aufs Korn genommen, dass man sich wünscht, auch in Deutschland könnte man hier und da etwas entspannter mit diesen Themen umgehen. Vor lauter Lachen merkt man kaum, dass der Film dort, wo er sich dem Innenleben der Protagonistinnen zuwendet, auch eine tiefernste Seite hat. Aber genau dann, wenn man im Kinodunkel eine Träne verdrücken möchte, folgt der nächste Gag: exakt die Mischung, die eine Komödie perfekt macht.

»Late Night« startet am 29. August bundesweit in den deutschen Kinos.

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