Tschick

Im September 2016 kam die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs berühmten Roman »Tschick« unter der Regie von Kultregisseur Fatih Akin in die deutschen Kinos. Johanna hat sich den Film für uns angesehen.

Maik (Tristan Göbel) und Tschick (Anand Batbileg). © STUDIOCANAL
Tschick

Genre: Drama, Komödie
Produktionsjahr: 2015
Produktionsland: Deutschland
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Lauflänge: 92 Minuten
Kinostart: 15.09.2016
Website: www.tschick-film.de

Tschick: Der Film zum Buch

Im September 2016 kam die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs berühmten Roman unter der Regie von Kultregisseur Fatih Akin (»Gegen die Wand«, »Soul Kitchen«) in die deutschen Kinos. In den Hauptrollen sind der bereits filmerfahrene Tristan Göbel als Maik Klingenberg und Newcomer Anand Batbileg als Andrej »Tschick« Tschichatschow zu sehen. Der Film hält sich über weite Strecken sehr eng und bis ins kleinste Detail an die Romanvorlage, selbst Dialoge sind zum Teil direkt aus dem Buch übernommen.

Die episodenhafte Handlung der Vorlage lässt nahtlos in ein filmisches Coming-of-Age-Setting von Tschick und Maik im geklauten Lada auf der Suche nach der Walachei adaptieren. Im Gegensatz zum Roman, der im Sommer 2010 spielt, ist der Film eindeutig im gegenwärtigen Jahr 2016 angesiedelt ist. Anspielungen an neuere popkulturelle Phänomene wie Game of Thrones und auch der aus aktuellen Chartstürmern wie Bilderbuch, Beginner oder K.I.Z. bestehende Soundtrack rahmen den Schauplatz zeitgemäß.

Was macht der Film anders als die Romanvorlage?

Über Tschicks tatsächlichen Hintergrund und seine Lebensumstände erfährt man im Film nur wenig, Maiks Familie hingegen, die auch im Roman die deutlich größere Rolle spielt, lernt der Zuschauer ziemlich genau kennen. Vom Roadtrip selbst werden im Film nicht alle Episoden berücksichtigt. Die Episode um Horst Fricke, der erst auf die beiden Abenteurer schießt und sie anschließend zu sich ins Haus einlädt, um von seinen Kriegserlebnisse in Russland zu erzählen, wurde komplett herausgelassen, ebenso wie die Begegnung mit der Sprachtherapeutin.

Die brandenburgische Großfamilie, die Verfolgungsjagd des Dorfpolizisten sowie die Begegnung mit Isa werden hingegen auch im Film ausführlich erzählt. Der Unfall der Jungs mit einem Lastwagen auf der Autobahn bereitet dem Trip ebenso wie in der Vorlage ein jähes Ende, Maik wird in die Notaufnahme gebracht und Tschick sucht das Weite, um nicht von der Polizei gefasst und anschließend ins Heim gesteckt zu werden. Auch das Ende des Films hebt sich in seiner Komplexität noch einmal etwas deutlicher vom Ausgang der Buchvorlage ab. Was nach dem Unfall eigentlich aus Tschick geworden ist, bleibt für die Zuschauer unklar.

Die jungen Schauspieler überzeugen mit viel Charakterstärke

Wolfgang Herrndorfs Roman, der in größten Teilen auf den Landstraßen Ostdeutschlands spielt und von verschiedenen Erlebnissen zweier 14-jähriger in einem geklauten Lada erzählt, eignet sich hervorragend für eine Adaption auf die große Leinwand. Wie in den meisten Roadmovies steht auch in »Tschick« die Identitätsfindung der Protagonisten im Vordergrund. Die spezielle Erzählweise, die den Roman so besonders macht, trifft auch im Film den richtigen Ton und die Charaktere versprühen den selben jugendlich-naiven Charme. Auch der trockene, schwarze und spitze Humor sowie viele unsanfte, aber doch sympathische Witze aus der Vorlage lassen sich wiederfinden.

Die Figurenzeichnung in »Tschick« spielt oftmals mit Stereotypen: Tschick in seinem Jogginganzug und der Plastiktüte, Maiks Alkoholikermutter und sein Vater, der eine Affäre mit einer Jüngeren hat – doch davon lebt schließlich sowohl der Roman als auch die Verfilmung. Die jungen Schauspieler überzeugen mit viel Charakterstärke, vor allem die leicht hyperaktive Isa sticht positiv mit ihrer enormen Leinwandpräsenz heraus, obwohl sie in nur wenigen Szenen vorkommt. Regisseur Akin nimmt sich viel Zeit, um die Eigenheiten seiner Figuren einzufangen, weshalb auch der erste Teil des Films kaum dichter an der Vorlage hätte bleiben können.

Generell verlangt das Medium Film natürlich ein bisschen mehr Action, so tragen die Verfolgungsjadgen mit einem wütendem Bauern oder dem Dorfpolizisten maßgeblich zum Spannungsaufbau bei. Vom Film bleiben außerdem vor allem die Schauplätze im Kopf: Die Villa der Klingenbergs in der tristen Umgebung Marzahner Plattenbauten und der anschließende Wechsel zu wunderbaren Landschaftsaufnahmen im Osten Deutschlands, saftige Felder, klare Seen und weite Wiesen. Auch der Soundtrack von »Tschick« wird dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben: Die klassische Ballade pour Adeline etabliert sich wie im Buch schnell als Running Gag und tritt in schnellen Wechsel mit den frischen Beats moderner Musik des deutschen Pop- und Hip-Hop-Genre.


Dieser Text erschien zuerst auf www.inhaltsangabe.de.

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