Hacksaw Ridge

Mel Gibson ist als Regisseur nicht eben bekannt für vornehme Kost. Auch »Hacksaw Ridge« ist ein äußert blutiger Film geworden. Eine Kurzkritik.

Hacksaw Ridge, Kriegsdrama, USA/Australien 2016 © Universum Film

Kriegsdrama, USA/Australien 2016

Regie: Mel Gibson; Darsteller: Andrew Garfield, Sam Worthington, Vince Vaughn, Teresa Palmer

Mel Gibson ist als Regisseur nicht eben bekannt für vornehme Kost. Sei es in »Braveheart«, »The Passion of the Christ« oder »Apocalypto«, es wird meist eine blutige Angelegenheit. Nun hat Gibson einen Kriegsfilm gedreht, und weil hier also ein ›blutrünstiger‹ Regisseur in einem äußerst blutigen Genre arbeitet, ist »Hacksaw Ridge« ein in dieser Hinsicht extremer Film geworden.

Der Film erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Desmond Doss (A. Garfield), einem jungen Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der in der Schlacht um Okinawa zum überraschenden Helden wird. Aus religiösen Gründen lehnt Doss Gewalt ab – wodurch er im ‚Boot Camp‘ zum Außenseiter wird, der sich von seinen Kameraden viel Spott anhören muss. Als Sanitäter begleitet er seine Einheit in eine der entscheidenden Schlachten des Kriegs im Pafizik.

»Hacksaw Ridge« nimmt sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Hauptfigur. Szenen aus Kindheit und Jugend, der Konflikt mit dem Vater, das Finden seiner großen Liebe, schließlich die freiwillige Meldung zum Militär – als Desmond im Ausbildungslager ankommt, hat das Publikum ihn schon recht gut kennengelernt.

Weil das so, ist funktioniert der Film in der Folge – trotz der vollkommen vorhersehbaren Story – erstaunlich gut. Andrew Garfields große Leistung ist es, seine Figur innerhalb des mit mächtig Pathos aufgeblasenen, in der zweiten Hälfte unfassbar brutalen Spektakels mit großer Glaubwürdigkeit zu spielen. Seine bescheidene Entschlossenheit, mit der er Unglaubliches vollbringt (er rettet auf eigene Faust mehrere Dutzend Kameraden aus einem aufgegebenen Schlachtfeld), wirkt authentisch – aller offensichtlichen Formelhaftigkeit des Geschehens zum Trotz.

Gibson geht es in »Hacksaw Ridge« nicht um eine differenzierte Darstellung der Schlacht selbst. Die Japaner sind in seinem Film zwar keine Monster, aber reine Statisten, deren Geschichte nicht erzählt wird. Sein wundersames Heldenepos über Desmond Doss feiert dessen christlich motivierte Gewaltlosigkeit, vor allem aber seine mutigen Taten inmitten eines ultrabrutalen Gemetzels – dessen militärische Notwendigkeit nicht in Frage gestellt wird. Als Aufruf zum Gewaltverzicht lässt sich der Film daher nicht verstehen.

Insgesamt ist der Film vor allem für Fans des Regisseurs oder des Genres interessant.

PS: »Hacksaw Ridge« wurde für mehrere Oscars nominiert (u.a. »Bester Film, »Beste Regie« und »Bester Hauptdarsteller«), was von vielen als Beweis gewertet wird, dass das Hollywood-Establishment den in Ungnade gefallenen Mel Gibson wieder gern hat.

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